DJ in Budapest,

Fußballer in Burgaltendorf: Essener verfolgt seinen Musiktraum

Artikel vom 13. März 2026

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    In Mülheim, Duisburg und mittlerweile auch Essen kennen die meisten Menschen Michael Siminenko in erster Linie als Fußballer. Als torgefährlichen Stürmer, der aktuell in der Bezirksliga beim SV Burgaltendorf um den Aufstieg spielt. In seinem zweiten Leben ist er „GabrieLucifer“ und unter diesem Künstlernamen als DJ und Produzent von elektronischer Musik aktiv.

    In seinem noch recht neuen Studio in Düsseldorf trifft man den 32-jährigen Essener vor einem großen Bildschirm. Eine Musiksoftware zeigt dort mehrere farbige Spuren an, die für die unterschiedlichen Instrumente und Samples stehen, die am Ende einen Song ergeben. Als die ersten Töne aus mehreren Boxen zu hören sind, beginnt Michael Siminenko alias „GabrieLucifer“, sich gleich im Takt der Musik zu bewegen. „Ich war vielleicht fünf Jahre alt, da lief im Fernsehen die Loveparade aus Berlin mit vielen Nummer-eins-DJs der Welt. Meine Mutter hat mir erzählt, wie ich damals vor dem Bildschirm dazu getanzt habe. Da ist das ganze Thema wohl in meine Blutbahn gekommen“, berichtet der Musiker von seinen allerersten Berührungspunkten. 

    Essener Fußballer wird DJ: Erstes eigenes Equipment nach „Nacht- und Nebelaktion“

    Als junger Erwachsener fand er bei Ruhr in Love und in einem damaligen Essener Club wieder Gefallen an elektronischer Musik. In einer Nacht-und-Nebelaktion legte er sich sein erstes DJ-Equipment zu und fing an zu spielen. Dabei waren seine musikalischen Vorerfahrungen, außer etwas Gitarre zu spielen, gleich null.

    Dennoch gewann er noch im selben Jahr einen Contest im Mülheimer Schloss Broich, wurde bald DJ bei Taktlos-Events und legte regelmäßig im Essener Westend auf. „Da gibt es ja den Panzergarten und der wurde bei besserem Wetter auch Open Air bespielt, das war echt eine coole Location. Open Air liebe ich bis heute“, sagt der DJ.

    Schon früh hatte Siminenko den Bereich Tech House für sich entdeckt. „Ich habe zum Beispiel mal einen Track von Michael Bibi gehört und wusste sofort, dass das die Musik ist, die ich produzieren will“, so der Musiker. Auch der Techno-Musik kann er etwas abgewinnen, allerdings eher dem „Oldschool“-Bereich. „Im alten Techno hast du aber kaum Gesangsparts, das sind aber die Sequenzen, die dir einfach Gänsehaut verschaffen. Die Baseline muss verspielt sein, melodisch sein, die bringt dich zum Bewegen und Tanzen.“

    Er habe schon immer ein gutes Gespür dafür gehabt, was beim Publikum gut ankommt. „Am Ende ist es aber immer wichtig, dass man es selbst zu hundert Prozent vertritt, nur so nimmt man die Leute auch mit“, sagt der 32-Jährige, der sich über seine Musik ausdrücken und die Leute mitreißen will. Während des Auftritts eins mit der Menge zu werden, sei wie eine Droge.

    Als DJ in Budapest und der Schweiz, als Fußballer in Essen-Burgaltendorf

    Manchmal stand „GabrieLucifer“ bis sechs, sieben Uhr morgens an den Turntables, um 15 Uhr stand er als Michael Siminenko bereits wieder auf dem Fußballplatz. „Ich kann nicht ohne Fußball, ich hab‘s mal versucht und ein paar Jahre in Kirgistan geboxt – aber ich brauchte wieder meine Fußballschuhe und den Ball, ich brauche die Einheiten zum Auspowern und die Spiele am Wochenende“, sagt der Stürmer, der für verschiedene Klubs in 291 Spielen insgesamt 166 Tore geschossen hat. Nach einem wilden Auftritt erde die Situation auf den Amateurplätzen auch ein Stück weit. Die Rolle des Kabinen-DJs überlässt er anderen.

    Im Fußball hat es nicht für die große Welt gereicht, seine Gigs haben den DJ aber schon nach Luzern oder Budapest gebracht, auch in Deutschland ist er herumgekommen – Stuttgart, Köln, Heilbronn, Haltern, oder auch das Smag Sundance Open Air vor der Haustür in Essen. Am 23. Mai wird er im Kölner Bootshaus auflegen, einem der Top-Clubs in Deutschland. Weitere Auftritte sind in Düsseldorf im Tech- und House-Segment geplant, auch ein Trip nach Ibiza steht auf der Agenda.

    Sein persönliches Highlight ist aber gar kein Event: Sein Lieblingskünstler Jamies Jones, ein alter Hase aus Wales, der jeden Monat tausende Tracks zugeschickt bekommt, aber Siminenko ist mittlerweile bei einer Plattform für Producer auf einer Shortlist des Briten gelistet. „Das ist wirklich eine Bestätigung und hat mir Halt gegeben, als mein Genre in Deutschland etwas unterging“, sagt Siminenko.

    Tech House wird nämlich heute vor allem in den Niederlanden gespielt. Die Musik leide hierzulande unter den sozialen Medien und rutsche dadurch immer mehr in den Mainstream ab. Auch deshalb legte der Musiker zwischenzeitlich eine gewisse Pause ein, entdeckte dann aber das Produzieren für sich. Angefangen im eigenen Schlafzimmer mit Laptop und Kopfhörern. Mittlerweile sperre er sich förmlich an den Wochenenden im Düsseldorfer Studio ein.

    Essener Fußballer Siminenko als Musikproduzent: Seine Inspiration für neue Songs nimmt

    „Die Ideen entstehen aus alltäglichen Melodien, aber auch, wenn ich Events besuche und Künstler treffe, die ich selbst verfolge“, beschreibt er die Entstehung mancher Tracks. Sein nächster wird „To my beat“ heißen, ein erstes Album ist in Planung. „Manchmal habe ich acht bis zehn Stunden an einem Track gesessen und kam nicht wirklich weiter, ein anderes Mal funktioniert es innerhalb einer Stunde.

    In Düsseldorf wagte sich der DJ auch irgendwann wieder auf die Bühne, „weil das Publikum die Musik wieder genossen hat. Da ging es nicht nur ums Sehen und Gesehen werden“, betont Siminenko. Aus diesem Grund schloss er sich in diesem Jahr auch einer Management- und Booking-Agentur an. „Wir wollen das wieder hervorheben: die Nische und die Liebe zur Musik.“

    Aktuell arbeitet Michael Siminenko noch im Hauptjob für eine Firma in den Niederlanden, die Elektroschlepper für bis zu 100 Tonnen herstellt. Er pendelt zwischen Essen und den Niederlanden. Ob er irgendwann von der Musik leben kann? „Vom Hobby zur Profession – das ist schon mein Ziel“, sagt der Essener. Dazu sei aber auch eine Menge Arbeit nötig. Mit der Agentur im Rücken, einem Tourkalender und bald dem ersten Album sind aber erste Schritte gemacht. Weitere Events in Essen und der Umgebung sollen folgen. „Nur die Musik alleine recht heutzutage leider nicht, um eine Marke zu sein“, weiß „GabrieLucifer“.

     

    Foto: © FUNKE Foto Services | Daniel Attia